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Sabrina Reichel Leinenrambo - CANDOG Blog

Die Spaziergänge mit Deinem Hund wären so schön, wenn da nicht dieses eine Problem wäre, das Dir schon beim bloßen daran denken den Schweiß auf die Stirn treibt: Hundebegegnungen!

Dein Hund gebärdet sich wie der wütende Godzilla, sobald er einen anderen Hund erblickt. Es gibt kein Halten mehr und er springt mit lautem Gebell und Geknurre in seine Leine. Du kannst nur daneben stehen und hoffen, dass sein „Feind“ bald vorbeigelaufen ist.

Ja, so wirst Du Dir Eure gemeinsamen Spaziergänge bestimmt nicht vorgestellt
haben, oder?

Probleme bei Begegnungen mit anderen Hunden sind häufig und bei sehr vielen Hunden anzutreffen. Auch wenn Dein Hund sich normalerweise sehr gut mit anderen Hunden versteht, kann das an der Leine ganz anders sein. Und selbst, wenn Du mit Deinem Hund von Beginn an eine gute Hundeschule besucht hast, seid Ihr nicht von dem Problem „Leinenrambo“ gefeit.

Die Ursache allen Übels

Warum Dein Hund sich an der Leine gegenüber anderen Hunden so wild gebärdet kann ganz verschiedene Gründe haben. So kann es sein, dass er einfach nur frustriert ist, weil er nicht zu dem anderen Hund hin darf. Die Leine hindert ihn und durch das Bellen verleiht er seinem Frust Ausdruck.

Oder aber Dein Hund hat einen Sachverhalt falsch verknüpft. Vielleicht hat er einmal einen Leinenruck bekommen, als er einen anderen Hund gesehen hat. Dieses unangenehme Gefühl hat er vielleicht nicht mit der Leinenführigkeit, sondern mit dem anderen Hund in Verbindung gebracht. Tja, und nun ist der andere Hund die Ankündigung für etwas Blödes.

Es kann jedoch auch sein, dass Dein Hund an der Leine mit einem anderen Hund einmal ein richtig schlechtes Erlebnis erfahren musste. Vielleicht ist er angefallen worden. Solch eine Erfahrung prägt tief und es ist nun sehr verständlich, dass ein Hund solch eine Situation nicht mehr erleben möchte. Seine Strategie ist deshalb: Angriff ist die beste Verteidigung.

Ein ganz anderer Grund kann auch die Stimmungsübertragung sein – entweder von Dir auf Deinen Hund oder aber von einem anderen Hund auf Deinen Hund. Vielleicht spannst Du Dich auch schon etwas an und wirst nervös, wenn Du einen anderen Hund auf Euch zukommen siehst und nimmst schnell die Leine kürzer. Das kann für Deinen Hund leicht zur Vorhersage werden, dass gleich ein „Feind“ um die Ecke kommt. Und seine Antwort darauf ist Getöse. Du siehst es kann die unterschiedlichsten Gründe geben, warum Dein Hund sich an der Leine wie Godzilla aufführt. Manchmal kannst Du es ganz klar sagen, was der Grund für sein Verhalten ist, manchmal jedoch geht ein Grund in den anderen über.

Wie du Godzilla in Deinem Hund nun besänftigen kannst

Hund im Sitz beim Menschen - CANDOG FachseminareEgal ob ich mit meinen Hunden an den Grundsignalen trainiere oder aber unerwünschtes Verhalten loswerden möchte, mein Mittel der Wahl ist die positive Verstärkung – also Belohnung von tollem Verhalten.

Strafe hat beim Training von Leinenrambos nichts zu suchen. Dein Hund zeigt dieses unerwünschte Verhalten aus einem für ihn ganz bestimmten Grund und es hilft ihm mit der Situation fertig zu werden. Egal aus welchem Grund Dein Hund nun an der Leine tobt, alle Gründe, die ich oben aufgeführt habe, haben für Deinen Hund absolut nichts Positives. Wenn Du jetzt auch noch mit einer Strafe darauf antwortest, wird Dein Hund weder lernen was Du Dir von ihm für ein Verhalten wünschst, noch dass die Situation gar nicht so schlimm ist.

 Verstärke erwünschtes Verhalten – Marker für Blick  

Jeder Hund zeigt erwünschtes Verhalten bevor er zu Godzilla wird – auch Deiner. Du musst nur den Moment abpassen, in dem er sich toll verhält und das lobst Du so richtig. Wenn Dein Hund das nächste Mal einen anderen Hund erblickt – also wirklich beim aller ersten Hinsehen zum anderen Hund – beginnst Du Deinen Hund richtig zu loben. Wenn Du bereits ein Markersignal verwendest, super, markiere den Blick zu dem anderen Hund und lasse erst dann die Belohnung für Deinen Hund folgen.

Kurze Info für dich:
Ein Markersignal ist ein eindeutiges Wort oder ein Geräusch, das Deinem Hund sagt: Das hast du gut gemacht, jetzt bekommst du eine Belohnung.

Diese Technik nennt sich Marker für Blick und bringt Dir und Deinem Hund eine ganze Reihe an Vorteilen. Du betreibst ganz effektiv Gegenkonditionierung und bringst den Auslöser mit positiven Gefühlen in Zusammenhang. Nach und nach wird Dein Hund beim Anblick des Auslösers von selbst positive Gefühle entwickeln und seine Erwartungshaltung verändern. Weg von „Grrr, da ist ein Feind“, hin zu „Oh, da kommt ein Hund, jetzt gibt es was Tolles von meinem Menschen“.

 Zeige Deinem Hund ein Alternativverhalten 

Nach einiger Zeit des Training wird Dein Hund fremde Hund nicht mehr als „Feind“ betrachten, sondern diese mit etwas Tollem in Verbindung bringen. Damit dieses neue Verhalten noch sicherer wird, ist es sinnvoll Deinem Hund ein Verhalten beizubringen, das er zukünftig immer zeigen darf, wenn er einen anderen Hund an der Leine trifft. Das kann beispielsweise ein Handtouch sein, mit dem Du Deinen Hund an dem fremden vorbeiführst, oder aber er darf ein kleines Spielzeug tragen und so seine Spiellaune stillen. Je nach Hund und dem Grund für sein Verhalten, wird das Alternativverhalten verschieden ausgewählt.

Nach und nach wird Dein Hund von selbst beginnen dieses Verhalten bei
Begegnungen zu zeigen – es lohnt sich ja für ihn 🙂

 Unterbrich unerwünschtes Verhalten freundlich  

Egal wie gut du trainierst und vorbereitet bist, es wird immer wieder Situationen geben, denen Dein Hund noch nicht gewachsen ist und deswegen lospoltert. Das ist vollkommen normal – der Alltag ist eben nicht zu 100% vorhersehbar.

Wichtig ist nur, dass Du dieses Verhalten so schnell wie es geht unterbrichst. Jedoch nicht mit Scheckreizen und Einschüchterung, sondern freundlich. Hierzu eignet sich ein gut trainiertes Umorientierungssignal, der Geschirrgriff oder U-Turn.

Solltest Du in Situationen kommen, bei denen Du schon von vornherein weißt, dass sie schief gehen, manage. Versuche das Auslösen Deines Hundes zu verhindern. Halte ihm eine Handvoll Futter vor die Nase oder packe sein Lieblingsspielzeug aus und lenke ihn ab. Dieses Ablenken ist wirklich nur für Situationen gedacht, wenn nichts mehr anderes geht.

Wenn Du an entspannten Hundebegegnungen mit Deinem Hund arbeitest, wird es immer mal ein auf und ab geben. Du kannst nicht alle Hunde draußen kontrollieren und manchmal habt ihr einfach einen schlechten Tag. Aber bleibe dran und Du wirst bald einen gelassenen Hund an deiner Leine haben.

Das Seminar „Leinenrambo“ mit Sabrina Reichel findest Du hier: Zum Seminar „Leinenrambo“.

 

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Über die Autorin
sabrina-reichel-teaser_350Sabrina Reichel geprüfte CumCane-Trainerin und seit 2014 zertifizierte Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Niedersachsen.

Sie führt in Bayreuth Ihre Hundeschule VitaCanis – Coaching für Mensch und Hund mit Schwerpunkt Sozialverhalten (Hundebegegnungen), Antigiftködertraining und Antijagdtraining sowie Dogdance. Ihr Training ist geprägt von positiver Verstärkung sowie einem fairen und freundschaftlichen Umgang mit Mensch und Hund.

Ihr Buch „Leinenrambo“ sowie das dazu passende Trainingstagebuch erschienen im Kynos Verlag.

Bücher von Sabrina Reichel


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