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Abenteuer Pubertät

Bis gestern war die Welt noch in Ordnung. Gestern Abend den Welpi ins Körbchen gebracht, steht morgens ein Rotzlöffel auf. Man ahnte nichts Böses, schlug alle Warnungen in den Wind. Mein kleiner Benni wird nicht so, er guckt so süß aus seinen großen schwarzen Kulleraugen, niemals wird er aufbegehren gegen mich, dafür mögen wir uns zu sehr.

Ja und die Welt ist eine Scheibe…

Mit dem Welpen ist alles kinderleicht

Für manch einen Hundefreund ist der vierbeinige Freund an der Seite nur in den ersten Wochen ein Quell der Freude. Die anstrengende Welpenzeit mit nächtlichen Pinkel- und unfreiwilligen Spieleinlagen werden genauso liebevoll in Kauf genommen, wie die Kinderkrankheiten in Form von Infektionen mit Zwingerhusten und Magen-Darm-Grippe. Der kleine Knirps hat sich mit seinem Charme ins Herz gewinselt, man kann sich ein Leben ohne ihn schlicht nicht mehr vorstellen. In der Hundeschule glänzt der Kleine mit Pfiffigkeit und
schneller Auffassungsgabe, die ersten Übungen klappen besser als gedacht, zumindest einmal in der Woche auf dem Platz. Alles wird daran gesetzt, daß der kleine Kerl mit Artgenossen gut klar kommt und in der Gesellschaft nicht auffällt. Gewöhnung an alles, was er kennenlernen muß, findet lehrplanmäßig statt und Tierarzt, Postbote und Nachbarshund werden freudig begrüßt.

Und auf einmal ist alles anders

Und dann ist er da: Der Tag X, an dem alles anders ist: Plötzlich fängt der geliebte Vierbeiner, kaum daß er stubenrein ist, auch schon an, das Bein zu heben. An der Leine wird herumgepöbelt und der Abruf ignoriert, stattdessen dem Reh im Wald hinterher gejagt. Das Sofa, Futter und Bett werden knurrend verteidigt, während die Übungen auf dem Hundeplatz nicht mehr funktionieren, weil Herr Plüsch keine Zeit mehr dafür hat: Er muß markieren gehen und den Mädchen schöne Augen machen.
Jeder Gassigang wird zum Spießrutenlauf, weil motzend in der Leine hängen irgendwie cooler zu sein scheint, als Leckerchen futtern. Zuhause alleine bleiben geht nicht mehr, es wird gejault oder das Sofa zerlegt.

Alles normal? Gehirn „under construction“

„Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig werden!“ heißt es bei Menschenkindern.
Gilt das auch für Hunde?
Neurobiologisch betrachtet mit Sicherheit: Das menschliche Gehirn weist wie das Gehirn aller Wirbeltiere die gleichen Grundkomponenten auf. Daher ist eine Vergleichbarkeit zulässig und gibt Aufschluß über die Prozesse, die bei Mensch und Hund ablaufen. In verschiedenen Entwicklungsphasen des heranwachsenden Hundes passt sich das Gehirn den Gegebenheiten an: Bei der Geburt liegen bereits alle notwendigen Nervenzellen im Gehirn vor, sie sind nur noch nicht verschaltet. Sie bilden im Laufe der Entwicklung ein großes Netzwerk mit Verbindungen, die durch Benutzung stabiler werden. Stabil wird so eine Verbindung durch Emotionen und Erlebnisse. Das nennt man Lernen. Die Erfahrungen, die ein Hund macht, sind prägend für den weiteren Werdegang und sein Verhalten.

Alles eine Frage der Beziehung

In der juvenilen Phase, also wenn der Hund noch ein Welpe ist, sind vor allem die Qualität der Beziehung zu seinen Ersatzeltern, den Menschen von ausschlaggebender Bedeutung. Der Hund ist genetisch darauf ausgerichtet, in einem Familienverband zu leben, er sucht also förmlich nach Ersatzeltern, wenn er aus seiner hündischen Familie gerissen wird. Er bringt eine große Bindungsbereitschaft mit, die es anzunehmen gilt. Es ist relativ einfach, zu dem Welpen eine sichere Bildung aufzubauen, wenn man nur einige Punkte dabei beachtet. So entsteht die sichere Bindung durch das bedingungslose Erfüllen der Grundbedürfnisse.
Wenn es gelingt, dies für den Hund korrekt umzusetzen, dann ist der Grundstein für ein harmonisches Miteinander gelegt. Achtung! Harmonisch heißt NICHT „konfliktfrei“, denn auch Konflikte und ihre Bewältigung bieten eine Chance, die Beziehung zu strukturieren und die Rollenverteilung klar zu stellen.

Entwicklung als Chance

Der Hund durchläuft biologisch sinnvoll verschiedene Entwicklungsstufen, von denen das Ende der Welpenphase und der Eintritt in die Pubertät diejenigen sind, die beim neuen Besitzer als erstes anstehen.
Man tut gut daran, die sichere Bindung so schnell wie möglich aufzubauen und mit der Erziehung fortzufahren, die die Mutterhündin in der 7./8. Lebenswoche bereits begonnen hat. Verpasst man diesen Moment, dann ist es problematisch, in der Pubertät nachzuarbeiten. Was bis dahin nicht geklärt wurde, wird schwierig nun nachzuholen. Das Gehirn des Hundes ist in einem Ausnahmezustand: Hormonell wird umgebaut, der Hund muß mit sich selber und seinen neuen Gefühlen, der erwachenden sexuellen Ausreifung und auch mit diesem Körper in seinen neuen Funktionen klarkommen. Dazu kommen die Anforderungen an die Anpassung, um in einer überwiegend menschlichen Gesellschaft, unter eigentlich unnatürliche Bedingungen, bestehen zu können. Dies alles sorgt für Stress und Anpassungsprozesse. Der Hund setzt plötzlich andere Prioritäten, stellt in Frage und verändert scheinbar seine Persönlichkeit.

Pubertät als Chance

Doch es gibt Hoffnung: Wenn es gelingt, zum einen vorher eine sichere Bindung aufzubauen, die von Respekt dem Hund gegenüber und seinen Bedürfnissen geprägt ist und zum anderen selber souverän und cool zu bleiben, einen Plan und Handlungssicherheit zu haben, dann wird die Pubertät nicht zu einem Horrortrip, sondern zu einem tollen Entwicklungspotenzial für Hund und Halter. Hundetraining kann helfen, einen Hund auszubilden oder zu trainieren. Hundeerziehungsberatung hilft, eine sichere Bindung aufzubauen und durch begleitendes Coaching Unterstützung in Erziehung und Handling zu geben.

Eine gute Beziehung lässt sich nicht trainieren, aber sehr wohl erleben. Sieh die Chance, die darin steckt, neue Entwicklungspotenziale für dich und deinen Hund zu entdecken. Eure Beziehung ist einzigartig, genieße die Zeit mit deinem Hund.

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Über die Autorin
susanne-last-teaser_350Susanne Last ist ausgebildete Tierheilpraktikerin, Natural Dogmanship®– Instruktorin und von der Tierärztekammer Schleswig-Holstein zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin, so wie im Besitz der Erlaubnis nach §11 Tierschutzgesetz zum Ausbilden von Hunden. Mit Sitz im Pinneberger Raum und überregional bietet sie ganzheitliche Verhaltensberatung und Beziehungs-Coaching für Mensch und Tier an. animal-coaching.de
canilogie.blogspot.de / dog-caching.blogspot.de

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