Home > Coaching > Die Leichtigkeit der Veränderung
Veränderung im Hundetraining | CANDOG Blog

Christel Löffler erklärt, warum es uns so schwer fällt, von liebgewonnenen (oder gar ungeliebten) Gewohnheiten Abschied zu nehmen.

Nachdem mir mein Osteopath vorgeschlagen hat, meine Zähne mit der linken Hand zu
putzen, wurde mir bewusst, wie nervtötend dies sein kann. Diese Veränderung in meinem
Alltag ist minimal, eigentlich kaum zu spüren, wenig zeitaufwendig und rein praktischer
Natur. Trotzdem stört es mich. Um wie viel schwieriger aber ist es dann, komplexe
Verhaltensweisen zu modifizieren?

Das kann man an den alljährlichen Silvestervorsätzen prima erleben: Essgewohnheiten
ändern, sich besser Durchsetzen oder sich öfter Entspannen…  Klappt fast nie!
Es gab ja schließlich einen Grund, warum man etwas jahrelang so und nicht anders gemacht hat. Man fängt euphorisch an, und landet dann doch schnell wieder im alten Fahrwasser –
Veränderungen zu etablieren kostet Zeit, Kraft und Nerven.

Muster, Antreiber und Glaubenssätze

Warum ist das so? Warum geht das nicht einfach einfach? Es ist nicht nur die Zeit, die wir
aufwenden müssen und die Kraft bzw. Konzentration, die wir brauchen, um etwas ab jetzt
anders zu machen und dann durchzuhalten. Es ist auch der Umgang mit Werten,
wiederkehrenden Mustern, Grundsätzen und Antreibern, der es uns schwer macht.

Im Hundetraining und bei der Beratung werden wir als Hundetrainer ständig damit
konfrontiert. Eine der Hauptaufgaben eines Hundetrainers ist das Verändern eines
Hund/Mensch-Teams. Egal ob der Besitzer wegen eines Aggressions-, Angst-oder
Jagdproblems den Weg zu uns findet, ist es erforderlich, dass der Mensch sich verändert.

Auch bei z.B. folgendem Fall: Ein Hundebesitzer möchte Rat.
Er macht inzwischen gerne spät abends seine Gassi Runden mit seinem fröhlich vor sich hinpöbelnden Hund. Wir raten ihm den Gassigang auf eine Uhrzeit zu legen um möglichst viele Hunde zu treffen um das bei uns erlernte umsetzen und probieren zu können. Aber der 22 Uhr Gassigang ist etabliert, der Mensch muss seinen Wohlfühlstatus aufgeben.

Es ist wichtig zu erkennen, welche Emotionen entstehen, Bedenken des Kunden zu bemerken,
Barrieren zu verstehen und darauf reagieren zu können. Und das funktioniert nur dann, wenn
man auch sich selbst und den eigenen Umgang mit Veränderung unter die Lupe nimmt.

Warum fällt uns Veränderung so schwer?

Wir Menschen reagieren von Natur aus negativ auf Veränderungen, sobald sie uns selbst
betreffen. Veränderungen waren immer der Ursprung von Gefahr. Das Neue konnte
verlockend aussehen, aber Fallstricke und Bedrohungen mit sich bringen. Eine neue
Umgebung bedeutete z.B. mehr Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen. Unsere Vorfahren
haben nicht ständig die Höhle gewechselt, nur um dann erschreckt festzustellen, dass ein
Dinosaurier jetzt locker und leicht in die neue Höhle spazieren konnte. Veränderungen
mussten wohl überlegt sein. Auf Gewohntes dagegen war und ist Verlass, es läuft quasi von
allein. Der Weg der Gewohnheit ist wunderbar „ausgetappert“, man kann alles schnell und
leicht erledigen…manchmal sogar mehrere Dinge gleichzeitig. Gewohnheiten sind sicher und
sehr ökonomisch.

Es gibt jede Menge Gründe, es so und nicht anders zu machen und sich dann als Gewohnheit
zu etablieren. Ganz genau dort müssen wir als Hundetrainer ansetzen, um die Veränderung
begleiten und motivieren zu können.

Wir fragen unseren Hundebesitzer also, welche Gründe er hatte, seinen Gassigang in die
Nacht zu verlegen. Wollte er unliebsamen Ratschlägen ausweichen? Konnte er seinen
Hund nicht mehr halten und hatte Angst, dass der Hund einen anderen verletzt? Was
genau war sein Gefühl, wenn er mit einem pöbelnden Hund durch die Gegend lief? War es
ihm peinlich? War er verunsichert? Hat er die Erfahrung gemacht, dass er selbst ausfällig
wurde? Hat ihn dies geschockt? Was waren die Vorteile an diesen nächtlichen
Spaziergängen? Würde er diese Vorteile aufgeben und was wäre dafür hilfreich? Was
würde ihn motivieren, dies zu tun? Was genau und wie sollte dies aussehen? Wie kann er
es gut in seinen Alltag übernehmen ohne wirklich mehr Zeit zu benötigen?

Wie kannst Du den Veränderungsprozess unterstützen?

Je mehr die Veränderungen bedeuten, dass unser Hundebesitzer seine innere Einstellung
oder Lebensgrundsätze verändern muss, um so schwieriger ist es in der Veränderung
motiviert zu bleiben. Es ist also nicht hilfreich dem Kunden zu sagen, dass er sich „mal
durchsetzen muss“, das wissen wir alle. Hilfreich ist es zu erfahren, warum er es bis jetzt
nicht getan hat, was ihn hemmt, welche Ideen und Gefühle er dazu hat und welche
Gefahren er sieht. So könnte zum Beispiel der Glaubenssatz: wenn ich mich durchsetze,
haben wir keine Bindung mehr, er mag mich dann nicht mehr o.ä. hemmend wirken. Wer
möchte schon, dass sich eine Beziehung verschlechtert?

Ein weiterer Aspekt, der sich hemmend auswirken kann, ist der Punkt „Schuld“. Sich über
Veränderungen Gedanken zu machen heißt, sich zu fragen ob man etwas „falsch“ gemacht
hat, warum man dies so lange Zeit gemacht hat. Wer an sich zweifelt, macht sich Vorwürfe
und ist nicht offen für Neues. Besser ist es, klar zu machen, dass dieses jetzt nicht mehr
zuträgliche Verhalten vorher für die Person in diesem Prozess richtig war und ein Stück
Erleichterung gebracht hat. Das zu formulieren reduziert die emotionalen Widerstände, das
Alte für etwas Neues aufzugeben. Denn etwas Altes zurückzulassen bedeutet immer auch sich
zu verabschieden.

Der „KICK“ einer Veränderung

Aufzuspüren, was in dem Kunden vor sich geht, dies mit dem Typ Hund in Beziehung zu
setzen, Gründe für Missklänge heraus zu filtern und diesen Veränderungsprozess zu
begleiten, ist nicht nur interessant und spannend, sondern auch lehrreich für uns als Mensch
und Trainer.

Denn gleichzeitig bringt jede Veränderung einen neuen Schritt, eine neue Erfahrung, eine
Erweiterung in die eigene Gefühlswelt und somit eine Weiterentwicklung an verschiedenen
Möglichkeiten die wir in unserem „Tool Koffer des Lebens“ haben. Dadurch ergeben sich
mehr Entscheidungsmöglichkeiten und mehr Freiheit. Nur durch Veränderungen geben wir
unserem Leben Schwung und es kann sich in die Freiheit der Entscheidungen entwickeln.
Diesen Spaß gemeinsam mit dem Kunden zu erleben, kann man herausarbeiten und dem
Kunden als Motivation an die Hand geben. Eine Veränderung ist ja nicht nur auf das
Hundetraining beschränkt, sondern betrifft immer das gesamte Leben des Kunden.
Veränderungen bringen uns Voran und auch unsere Vorfahren haben irgendwann ihre Höhle
doch verlassen und das Rad erfunden.

Meist ist es sinnvoll, die Veränderung in kleine Teilschritte zu zerlegen, damit Erfolgserlebnisse entstehen. Dazu sollten die Ziele genau definiert werden und spezifisch in „Unterziele“ zerteilt werden. Um in den einzelnen Terminen zu erfahren, wie weit der Kunde fortgeschritten ist und wie er sich dabei fühlt, kann man über Skalierungsfragen arbeiten (z.B.: wie fühlen sie sich bei Begegnungen mit anderen Hunden? Eins wäre sehr gut, sechs sehr schlecht….)

Die Veränderungen für Hundetrainer

Auch wir als Hundetrainer müssen in unserer professionellen Rolle mit Veränderungen umgehen: Wie ticken wir selbst? Sind wir Veränderer oder Bewahrer? Fällt es uns leicht, uns am Markt anzupassen, neue Wege zu gehen, Altes zurück zu lassen? Welche Entscheidungen treffen wir und wie viel Einfluss hat „das bequeme Alte“ dabei? Ein unendlich spannendes Thema, das sich auch immer wieder im Laufe unseres Lebens verändert.

In jeder Lebenszeit gehen wir anders mit Veränderungen um… bleiben wir also in der Veränderung, denn eine Schlange, die sich nicht häutet, stirbt.;-)

PS: Hinterlass uns ein Kommentar

PPS: Du möchtest auf keinen Fall die nächsten Blogbeiträge verpassen? Dann trag Dich für unseren kostenlosen Newsletter ein.

Über die Autorin
Christel Löffler - Problemhunde TrainingChristel Löfflers Schwerpunkt ist das Coaching und Training von „Problem-Hunden“ und ihren Besitzern. Sie ist Coach und Persönlichkeitstrainerin mit dem Medium Pferd und Hund und bildet Hunde- wie Pferdetrainer aus: www.dialog-mensch-tier.de. Christel hat eine Ausbildung zur systemischen Beraterin am Systemischen Institut Wiesloch absolviert, ist als Gastdozentin bei Wirkstatt und an der Universität Hohenheim tätig.

Dir gefällt, was Du liest? Teile den Beitrag!


Facebooktwitterpinterestmail
 

Your email address will not be published.