Home > Dogwalking > Was Achtsamkeit, Dogwalking und ein rohes Ei miteinander zu tun haben

Die Sache mit dem Ei ist schnell erklärt. Lass dich bitte auf die folgende kleine Übung ganz ein.

  • Hol dir ein rohes Ei aus dem Kühlschrank.
  • Wirf das Ei vorsichtig in die Luft und fang es ohne eine Beschädigung wieder auf.

Na gut! Meinetwegen auch dein Handy, wenn du gerade kein Ei zur Hand hast.

Ließ erst nach der Übung weiter.

Denk jetzt an den Moment, in dem du das Ei in die Luft geworfen hast, was ging dir in dem Augenblick durch den Kopf?
Hast du überlegt, ob deine Waschmaschine schon durchgelaufen ist? Wann dein Auto zum TÜV muss? Oder was es heute zum Abendessen gibt?
NEIN?
Höchstwahrscheinlich hast du an nichts dergleichen gedacht, sondern warst voll und ganz bei dir und mit deiner Aufmerksamkeit bei dem fliegenden Ei, das ja unbeschädigt wieder in deiner Hand landen sollte.
Und das hat was mit Achtsamkeit zu tun!

Achtsamkeit ist eine besondere Form der Aufmerksamkeit, ein klarer Bewusstseinszustand, im Hier und Jetzt sein. Wer achtsam ist, verweilt mit seinen Gedanken nicht in Zukunft oder Vergangenheit, sondern im gegenwärtigen Moment, ist mit seiner Aufmerksamkeit voll und ganz präsent. In der Gegenwart können wir mit uns selbst, unseren Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt kommen. Ein achtsamer Geisteszustand reduziert automatische, impulsive und unbewusste Reaktionen auf das gegenwärtige Erleben, was zu einem hohen Maß an situationsadäquatem, authentischem und selbstbewusstem Handeln führt.

Achtsames Handeln erlaubt dir auch in schwierigen, emotional belastenden Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, bewusst und geduldig zu agieren und dabei in deinem Gleichgewicht zu bleiben.

„Nur der Tag bricht an, für den wir wach sind.“
Henry David Thoreau

Gemeint ist mit Achtsamkeit aber nicht Konzentration, die sich auf ein Objekt fokussiert und die Umwelt mehr oder weniger aussperrt. Achtsamkeit ist eher eine Aufmerksamkeit im „Weitwinkel“ Format mit der gesamten Fülle an Wahrnehmung rund um dich herum.

Und hier schließt sich der Kreis zur Achtsamkeitspraxis beim Dogwalken.

Achtsam sein bedeutet auch für die Hunde Präsent sein.
Deine achtsame und aufmerksame Haltung spüren die Hunde sofort. Wer kennt nicht den Unterschied, bist du mit deiner Aufmerksamkeit ganz bei den Hunden sind sie ihrerseits auch mit dir im „Gespräch“, wirst du abgelenkt oder hängst deinen Gedanken nach, sind die Vierbeiner plötzlich mit eigenen Dingen beschäftigt wie zum Beispiel jagen gehen.

Achtsame Wahrnehmung bedeutet auch die Umwelt im Blick bzw. im Geist zu haben. Gefahren für deine Schützlinge frühzeitig zu erkennen, fällt dir besonders leicht wenn du aufmerksam und hellwach durch die Natur gehst.

Grundhaltung der Achtsamkeit: Bedingungslose Akzeptanz

Unter Achtsamkeit versteht man aber auch und das empfinde ich als essenziell im Umgang mit den Tieren, Situationen und Verhalten wertfrei zu betrachten und jedes einzelne Individuum (auch sich selbst) mit allen Ecken und Kanten zu akzeptieren und mit empathischem Wohlwollen zu begegnen.

Schaffen wir es einen Hund und sein Verhalten, das möglicherweise anders ist als wir es gerne hätten, so wie er/es ist anzunehmen und das (dieser Punkt ist wichtig) bedingungslos, werden wir es viel leichter haben mit dem Hund auf eine Ebene zu kommen, ein tieferes Verständnis zu entwickeln und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Nehmen wir eine schwierige Gegebenheit an, können sich Lösungen entwickeln – manchmal von ganz alleine.
„Versuche mal einen Ball unter Wasser zu drücken, und er wird mit größerer Wucht an die Oberfläche kommen. Mit Achtsamkeit können wir uns den Ball an der Wasseroberfläche betrachten. Dort kann er dann vielleicht sogar wegschwimmen.“
Ich will nicht behaupten das „wertfreies Annehmen“ einfach ist, es ist sogar mitunter mühsam zu erlernen, kann aber geübt werden.

Mit dieser annehmenden Haltung kannst du auch deinen eigenen Widerständen und Unvollkommenheiten bewusst begegnen, sie neutral betrachten und vielleicht auch akzeptieren.

„Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort, an dem treffen wir uns“
Dschalal ad-Din Rumi

Achtsamkeitspraxis hilft dir somit deine Hundegruppe sicher zu führen, schwierige Situationen kontrolliert und souverän zu handeln und dabei in deinem Gleichgewicht zu bleiben. „Schwierigen“ Hunden mit Geduld zu begegnen und ihnen freundlich aber bestimmt Grenzen zu setzen. Zu erkennen was dir guttut, auf dich zu achten und Stress zu vermeiden.

Angesichts der sich einstellenden Gelassenheit und inneren Zufriedenheit, entwickelt sich vermehrt Freude am Beruf, was wiederum zu mehr Ausgeglichenheit führt.

Sich mit Achtsamkeitspraxis auseinander zu setzen ist ein Weg, den man für einen ausgeglicheneren Alltag gehen kann. Vielleicht ist dein Weg ein anderer und auch das ist in Ordnung.

Hier ein paar Übungen für Achtsamkeit und Wahrnehmung, die du in deinen Alltag als Dogwalker*in einbauen kannst. Vielleicht hast du Lust die eine oder andere Übung mal auszuprobieren.

Erden und ankommen

Bevor dein Spaziergang startet versuche dich zu besinnen und frei von störenden Gedanken zu machen.
Wenn du auf dem Parkplatz beim Auslaufgebiet ankommst, steigst du zunächst alleine aus. Stelle dich neben das Auto oder unter einen Baum oder an einen Ort, an dem du dich wohl und unbeobachtet fühlst. Wenn du magst schieße die Augen und konzentriere dich auf deine Atmung. Fühle, wie sich beim Einatmen erst dein Bauch hebt und sich dann die Lungen mit Luft füllen. Lausche dabei dem Luftzug in deinen Nasenlöchern. Ein und aus, ein und aus. Lasse dabei deine Muskeln locker, entspanne dein Gesicht und deine Zunge, lass die Schultern runter fallen.
Lenke dann deine Aufmerksamkeit auf die Geräusche in deiner Umgebung.
Was kannst du alles wahrnehmen? Vogelgezwitscher? Das Rauschen der Bäume? Straßengeräusche? Lasse nach und nach jedes Geräusch in deine Aufmerksamkeit kommen und nimm es bewusst wahr.
Danach öffne die Augen und gehe mit einem Lächeln zum Auto um die Hunde ganz in Ruhe auszuladen.

Achtsam bewegen

Langsames und bewusstes Gehen gehört zu den Kernübungen der Achtsamkeit.
Stelle dich aufrecht hin, wiege dich langsam nach links und rechts, vorne und hinten bis du deine Mitte gefunden hast. Spüre dabei deine Fußsohlen und Zehen, wie sie wie ein Baum tief mit der Erde verwurzelt sind.
Entspanne deine Muskeln, dein Gesicht und lass die Arme herunter hängen.
Atme ganz bewusst. Nun verlagere das Gewicht auf den linken Fuß und spüre wie sich die Empfindung verändert. Verlagere nun das Gewicht auf den rechten Fuß und spüre nach. Dann verlagerst du dein Gewicht größtenteils auf den linken Fuß, immer mehr bis deine rechte Ferse langsam vom Boden abhebt. Halte kurz inne und hebe denn den Fuß um ihn ein Stück weiter wieder ganz langsam und mit der Ferse zuerst aufzusetzen. Verlagere dein Gleichgewicht in die Mitte und dann zum rechten Fuß um die Übung weiter zu führen. Nimm jeden Teil des Gehens bewusst war und mache so lange weiter wie du möchtest. Schaue, ob sich in der Zwischenzeit etwas im Verhalten der Hunde geändert hat. Beobachten sie dich?

Wahrnehmung im Weitwinkelmodus

Stelle dir vor du bist ein Raubtier, suche dir ruhig deinen liebsten Beutegreifer aus.
Jagende Tiere starren mit weit geöffneten Augen in die Ferne und warten darauf eine Bewegung von etwas (Beute) wahrzunehmen. Du blickst also in weite Ferne und fixierst dort einen Punkt. Stelle dir vor deine Augäpfel könnten sich nicht bewegen und fixiere weiter den Punkt.
Lasse nun deinen Blick weich werden und ins periphere Sehen übergehen. In diesem Weitwinkelblick kannst du bis fast 180 Grad in alle Richtungen sehen, ohne die Augen zu bewegen. Du benutzt diesen Blick automatisch, wenn du z. B. nachts in den Sternenhimmel schaust.
Dehne nun den Weitwinkelblick aus: Strecke deine durchgestreckten Arme vor deinem Körper aus und bewege die Finger. Du kannst die wackelnden Finger wahrnehmen.
Bewege jetzt deine Arme langsam zur Seite und blicke dabei weiter geradeaus, die Augen bewegen sich nicht. Weite jetzt die Grenzen des Sehens zur Seite aus, und zwar so weit, dass du noch das Wackeln der Finger sehen kannst.
Führe die Arme wieder zur Mitte zurück und bewege nun einen Arm nach oben und den anderen nach unten. Weite erneut deinen Blick, so weit du die Finger noch sehen kannst.
Lass deine Arme sinken und schaue, ob du kleine Bewegungen von aufwirbelnden Blätter wahrnehmen kannst oder andere Bewegungen, die rechts oder links von dir liegen. Nimm Farben, Formen, Hell- und Dunkeltöne wahr ohne deine Augen zu bewegen.

Wenn du dich regelmäßig in Weitwinkelwahrnehmung übst, kannst du die Hunde irgendwann beobachten, ohne hinzuschauen. Die Wahrnehmung steigert sich so weit, dass du aus dem Augenwinkel alles mitbekommst. Diese gesteigerte Wahrnehmung kannst du auch auf die Ohren ausweiten, so das du auch spürst, was hinter dir abläuft oder welcher Hund hinter dir geht und welcher zurück beleibt.

Am Ende jeder Übung oder am Ende des Tages kannst du die Situationen reflektieren. Schaue dir deine Emotionen aus der Perspektive des Beobachters an.
Wie hast du dich gefühlt?
Was war schwierig, was viel dir leicht?
Was war hinterher anders?

Wenn du dich weiter in Achtsamkeit üben möchtest kann ich dir Yoga sehr empfehlen. Beim Yoga lässt sich außerdem Stress abbauen und gleichzeitig werden Körper und Muskeln gestärkt. Weitere Artikel über achtsames und stressfreies Leben findest du auf dem Blog  myMonk .

Lektüre zum Weiterlesen:

 


 

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Über die Autorin
Hej, ich bin Vivien BuckendahlVivien Buckendahl
Dogwalkerin, Hamburgerin, Unternehmerin, Abenteurerin, Latte-Macchiato-Genießerin, Visionärin, naturbegeistert, seit 2008 selbstständig und Inhaberin von CANDOG.

„Auf meinem Weg von einer ‘naiven‘ Existenzgründerin hin zu einer erfolgreichen Unternehmerin habe ich mich mit allen Themen der Selbstständigkeit auseinandergesetzt, Höhen und Tiefen erlebt und diverse (Anfänger) Fehler gemacht“  Meine Erfahrungen und mein Wissen gebe ich im CANDOG-Blog weiter.  DiKE:DOGS.de


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2 Comments, RSS

  • Nicole

    says on:
    13. November 2017 at 19:47

    Schöner Artikel, sollten möglichst viele Menschen Lesen!
    Wie oft treffe ich bei Spaziergängen auf Menschen, die mit allen beschäftigt sind, nur nicht mit Achtsamkeit. Man kann den Stress, Ärger Ude förmlich spüren. Meist sind sie in Begleitung von Tut nix & Co.

    Liebe Grüße,
    Nicole

  • Hundebloghaus

    says on:
    17. November 2017 at 14:44

    Sehr toller Text…auch ein sehr gutes Eingangsbeispiel mit dem Ei, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass es für viele Menschen sehr schwierig ist, das Gefühl der Achtsamkeit überhaupt anzunehmen und für sich zu entdecken.
    Ich teile den Artikel sehr gerne weiter…
    Vor einigen Monaten hatte ich ein Achtsamkeits-Trainingsglas vorgestellt, vielleicht ist das ja auch noch eine gute Stütze für Jemanden der hier bei Euch liest.
    http://hundebloghaus.de/2017/01/04/positive-verstaerkung-im-hundetraining/

    Liebe Grüße
    Danni

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