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Du und die Anderen | CANDOG Fachseminare

„GEGENSÄTZE ZIEHEN SICH AN“ oder „GLEICH UND GLEICH GESELLT SICH GERN!“ – ein Widerspruch?

SILKE CHRISTENSEN ÜBER DAS ICH UND DIE ANDEREN.

Ich habe mich schon oft gefragt, welche Aussage wohl eher stimmt oder ob beide stimmen oder sie beide nicht stimmen oder beide ein bisschen stimmen? Heute halte ich es damit so: Es kommt auf die gegenseitige Haltung an und darauf, was Du selbst von Deinem Gegenüber annimmst. Und vor allem darauf, was Du von Deinem Gegenüber erwartest. Erwartungen enthalten oft genaue Vorstellungen davon, was ein anderer, Deiner Wunschvorstellung entsprechend, denken, sagen und tun sollte. Aber woher kommen Dein Weltbild, Deine Identität, Deine Persönlichkeit und Dein Verhalten? Warum sind die Menschen so verschieden, so individuell und manchmal so ganz anders, als Du selbst?

Die müßige Diskussion, zu wie viel Prozent unsere Persönlichkeit sich aus Genetik, Umwelt und Entwicklung zusammensetzt möchte ich an dieser Stelle gar nicht aufmachen, das wäre ungefähr genauso wahnsinnig, wie sich für das eine ultimative Ernährungskonzept für ALLE Menschen auszusprechen. Wer aber sind denn diese unterschiedlichen Typen da draußen und was macht sie aus?

Die Big Five und das DISG Modell

Die Big Five gelten heute international als das universelle Standardmodell in der Persönlichkeitsforschung und wurden innerhalb der letzten zwanzig Jahre in über 3.000 wissenschaftlichen Studien verwendet. Mit fünf Kategorien lassen sich die wichtigsten Aspekte der Persönlichkeit abbilden: emotionale Stabilität, soziale Verträglichkeit, Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit und Extraversion.

Ein weiteres Modell, das mir ein wenig anschaulicher erscheint, ist das DISG Modell. DISG steht für

  • D = Dominanz (Rot)
  • I = Initiative (Gelb)
  • S = Stetigkeit (Grün)
  • G = Gewissenhaftigkeit (Blau).

Das kannst Du Dir in der Praxis in etwa so vorstellen:

Du planst eine Veranstaltung oder arbeitest mit Menschen zusammen? Lange hast Du den Tag herbeigesehnt und hast alles bis ins Detail geplant (oder auch nicht?). Der erste eigene Kurs, das erste Seminar oder ein Vortrag? Das erste Einzelgespräch mit einer Kundin steht an?

Bleiben wir bei dem Szenario der Gruppenveranstaltung:

Da kommen Sie – die verschiedenen roten D’s und gelben I’s und die grünen S’s sowie die blauen G’s.

Die Tür geht auf und herein kommt ein rotes D – es wirkt wie ein Hai *, zumindest kreist sein Blick einmal fokussiert durch den Raum – für einen kurzen Moment halten alle den Atem an und lassen die Präsenz auf sich wirken. Zielstrebig checkt der perfekt in Markenklamotten gekleidete Hai den Raum ab und steuert gradlinig auf den für sich als besten Platz ermittelten Stuhl zu. Dass hier bereits ein Rucksack auf dem Tisch liegt, interessiert das rote D nicht. Wie selbstverständlich wird dieser auf den Nebenplatz verschoben. Stattdessen wird ganz beiläufig der Autoschlüssel, der durch das Emblem die Marke offenbart, auf dem Tisch drapiert.

Das laute „Guten Morgen“, dass beim Eintreten in den Raum gerufen wurde, hallt immer noch nach. So machen das die D’s, sind sie doch vor allem zielgerichtet, entschlossen, willensstark und fordernd. Extrovertiert natürlich auch. Ihre Orientierung dient der Sache – nicht unbedingt dem Menschen!

Der gelbe Delfin (I) kommt ganz kurz vor Beginn der Veranstaltung ein wenig abgehetzt tänzelnd in hippen Klamotten in diversen Farben mit stylischer Frisur und auffälligen Turnschuhen in den Raum und öffnet nach circa 30 Sekunden die erste Flasche Coke, blättert neugierig in den ausgelegten Materialien, die (so Dein Plan) eigentlich erst nach Ende Deiner Veranstaltung angesehen werden sollten und nimmt eifrig die ersten Gespräche mit den anderen Teilnehmern auf. Warum tut das I das? Weil es kommunikativ ist und kreativ, offen, enthusiastisch, redegewandt, umgänglich und extrovertiert. Es ist menschenorientiert!

Die grünen S, auch liebevoll Wale genannt, haben sich spätestens durch morseartige Blickkontakte in dem Moment gefunden, als der rote D-Hai den Raum betreten hat und sitzen bereits zusammen in einer Art Tischgruppierung und tauschen die ersten Rezepte der diversen unterschiedlichen Brotsorten aus, die sie aus ihren Jutebeuteln, die mit Vegan-Slogans beschrieben sind, auf ihren Tischen verteilt haben. Sie zeigen sich spätestens in der ersten Pause Fotos von Ihren Kindern und Hunden und wissen heute schon, dass sie sich alle auf jeden Fall wiedersehen möchten. Hier wird Menschenorientierung offensiv gelebt und von Mitgefühl, Gelassenheit, Teamgeist, gegenseitiger Ermutigung, Hilfsbereitschaft und Vertrauen begleitet. Ein S ist introvertiert und vom Verhalten dem roten D am gegensätzlichsten. Stellt man sich die 4 Farben in einem Kreis, zu 4 gleichgroßen Tortenstücken aufgeteilt vor, liegen sich diese Beiden gegenüber – Gegenspieler also.

Als allererstes waren aber ganz andere im Raum: Die G’s. Zu erkennen an dem Blau und – um bei Tieren, die im Wasser leben zu bleiben – die Goldfische unter den Teilnehmern. Sie waren als erstes da, weil G’s immer pünktlich sind. Sie haben sich die Route bereits bei der Buchung der Veranstaltung ausgedruckt und in die Mappe mit dem Datum von heute gelegt. Alternativ haben sie sich eine Zugverbindung rausgesucht, falls etwas völlig Unvorhersehbares mit dem Auto passiert wäre. Auf Ihrem Tisch stehen eine Flasche Wasser und ein mit dem Seminartitel beschrifteter Ordner und Papier und zwei Stifte (falls einer nicht mehr schreibt). Sie schauen in eine mitgebrachte Fachzeitschrift und nehmen bis auf weiteres keinen Kontakt zu den anderen auf. Goldfische interessieren sich für ZDF (Zahlen, Daten, Fakten) sind introvertiert, sachorientiert, vorsichtig, besonnen, analytisch, hinterfragend, formal und präzise. Sie sprechen leise und nicht ungefragt, aber wenn man sie fragt, dann sollte man Zeit mitbringen, zumindest, wenn man ihr Fachthema getroffen hat.

Hast Du Dich erkannt?

Und wenn Du Dich an dieser Stelle das ein oder andere Mal erkannt oder gar ertappt hast und Dich fragst, wer von diesen spannenden Buchstaben, Wasserbewohnern und Farben Du wohl bist, dann versuche, es herauszufinden, denn wenn Du Dich besser kennst und einschätzen kannst, dann wächst Dein Verständnis für Dein Gegenüber automatisch. Du wirst Deine Freunde, Partner, Kollegen, Kunden, Vorgesetzte und sogar Fremde nicht ab sofort alle gleichermaßen mögen, aber wenn Du Ihr Verhalten erkennen und erklären kannst, dann kannst Du es auch besser verstehen und akzeptieren und Dich somit darauf einstellen und Euch beiden vieles erleichtern oder gar ersparen.

Auf die Spitze getrieben kannst Du Dich sogar im Vorfeld fragen, was Dein Gegenüber von Dir braucht, wenn es ein D ein I ein S oder ein G ist. Und damit es nicht langweilig wird, solltest Du damit rechnen, dass es sich bei fast allen Menschen und Mischtypen der hier beschriebenen Stereotypen handelt und es die unterschiedlichsten Zusammenstellungen gibt.

Ihr müsst Euch also keinesfalls einem der 4 Typen zu- oder unterordnen, aber die am besten ausgeprägte Farbe trifft in der Regel die Entscheidungen oder agiert vor den weniger ausgeprägten Verhaltensmerkmalen.

Kein Schubladendenken – Bleib mit Deinem Gegenüber auf Augenhöhe

Wer bist Das DU und wer sind die Anderen | CANDOG FachseminareDa Übertreibung ja bekanntlich anschaulich macht, sind die Farben hier sehr knallig beschrieben. Menschen mit diesen Methoden gedanklich in Schubladen zu legen, macht in keiner Lebenssituation Sinn. Vielmehr geht es um das gegenseitige Ergänzen und das Teilen von Stärken und Talenten.

Gute Teams sind farbenfroh und jedes Teammitglied kümmert sich im Idealfall um die Aufgaben, die seinen Vorlieben und Verhaltensmustern am besten entsprechen.

Jeder hat seine eigene Wahrheit, sein eigenes Weltbild und verhält sich unterschiedlich. Auf Augenhöhe kannst Du viel besser kommunizieren, wenn Du Dich und Dein Gegenüber gut einschätzen und respektieren kannst. Wie soll das aber gehen, wenn Du nicht weißt, warum sich jemand so oder so oder so oder so verhält?

Seid offen, bleibt neugierig und erforscht Euer Selbst- und Fremdbild wo ihr nur könnt, denn nichts kostet mehr Kraft und Energie als die Anpassung.

Das Leben ist bunt! 

  • Tobias Beck verwendet das Tiermodell, in dem er den Hai, Wal und Delfin synonym für die Typen verwendet. Die Eule habe ich gegen den Goldfisch getauscht.

Silke empfiehlt Dir die folgende Lektüre zum Weiterlesen:

GEO Artikel über die BIG FIVE

 

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Über die Autorin
Silke Christensen ist Diplom-Psychologin und Systemische Beraterin. So wie dogument Absolventin und Lamacoach und bietet unter anderem tiergestütztes Coaching an.

Als großer Fan von Methoden aus der Systemischen Beratung und Elementen aus der Persönlichkeitspsychologie setzt Silke auf einen bunten und gut dosierten Mix aus Theorie und Praxis – eine sehr nachhaltige und effektive Methode des Lernens – wie sie findet!   www.lamaste.de


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