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Candog Blog - Impulskontrolle Interview mit Ariane Ullrich

WAS ES DAMIT AUF SICH HAT, ERKLÄRT ARIANE ULLRICH IM INTERVIEW.

 

Liebe Frau Ullrich, was hat es denn mit der Impulskontrolle auf sich? Was bedeutet Impulskontrolle genau?

Jetzt könnte ich Ihnen einen mehrtägigen Vortrag halten, denn das Thema ist nicht nur wahnsinnig interessant, sondern auch sehr komplex. Aber die Extremkurzform ist: Impulskontrolle ist die Fähigkeit, den inneren Impuls, der durch innere und äußere Faktoren ausgelöst wird, beherrschen zu können. Sich also selbst beherrschen zu können.
Sie spielt eine sehr große Rolle im gesamten sozialen Leben und kann aus vielen Gründen wie Vererbung, Krankheit, Traumata etc. gestört sein.

Welchen Stellenwert haben Ruhe- und Schlafphasen für den Hund im Zusammenhang mit Impulskontrolle?

Ruhe- und Schlafphasen spielen vor allem eine Rolle für die Verarbeitung von Informationen und ist wichtig für den Kopf, um wieder in Gleichgewicht zu kommen. Insofern ist es für die Impulskontrolle wichtig, weil der Hund es schafft, sich auch wieder abzuregen, runterzukommen, ein Gleichgewicht im Hirnstoffwechsel zu erreichen. Ritualisierte Ruhe, also regelmäßige feste Schlaf/Ruhepausen unterstützen das.

Kann jeder Hund „Beherrschung“ lernen?

Bis zu einem individuellen Punkt, ja. Dennoch wird aus einem hibbeligen Boxer kein entspannter Neufundländer. Ein Teil des Ik-Trainings ist tatsächlich nichts anderes als genaues, qualitativ hochwertiges Training, wie bspw. das Sitzenbleiben bei Ablenkung. Das Finden eigener Lösungen zur eigenen Beherrschung, das individuelle rassespezifische Können zu nutzen und das Entspannen in aufregenden Situationen  ist da für Mensch und Hund schon schwieriger.

Wie sieht ein Training dafür aus?

Hund am Strand - CANDOG FachseminareZum einen bedeutet es für den Menschen das Lernen zu lernen, über Motivation und Timing Bescheid zu wissen und die Kriterien Ablenkung, Entfernung und Zeit zu kennen und sinnvoll einsetzen zu können. Es bedeutet auch, seinen Hund gut zu kennen und akzeptieren zu können. Es bedeutet loszulassen, um halten zu können.

Sich selbst beherrschen zu können kann man natürlich anhand einiger Übungen trainieren. Das dient aber vor allem dem Training des Menschen und dem Können des Hundes in genau dieser Situation. Wie zum Beispiel, wenn trainiert wird, dass der Hund heruntergefallene Leckerchen nicht frisst oder bei einem aufspringenden Reh beim Menschen bleibt.

Einen in allen Situationen sehr aufgeregten Hund zu ändern, der kaum zur Ruhe kommt und sich selbst kaum beherrschen kann, bedeutet zuerst einmal Änderungen im Umgang und Tagesablauf, um die Bedingungen für diesen Hund so zu schaffen, dass er lernen kann, was er lernen soll. Hier gehört auch ganz viel Management mit hinein, also Situationen problemlos zu umschiffen.

Was kann man vorbeugend tun, um bei einem jungen Hund oder Welpen einer leichten Erregbarkeit entgegen zu wirken?

Bei Hunden, die schnell erregbaren Rassen angehören, ist es hilfreich von Beginn an das Entspannen zu üben. Arbeiten ist meistens kein Problem. Schlafen zu können, egal, wo er ist und was da los ist, wäre das erste Ziel. Ansonsten sollte unbedingt auf eine gute Aufzucht geachtet werden. Die Tiere sollten gesund sein, keinem übermäßigen Stress ausgesetzt sein (aber ausreichend viel!), hochwertig ernährt sein, ausreichend Kontakte zu anderen Lebewesen und Dingen des täglichen Lebens haben. Beim neuen Halter sollte der Hund die Chance haben, Vertrauen zum Besitzer entwickeln zu können und sich sicher fühlen.

Impulskontrolle wird von vielen Dinge beeinflusst und ist in der Regel nicht an einer oder zwei Dingen festzumachen. Entsprechend individuell ist oft auch das Training mit Hund und Halter.

 

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Über die Autorin
Ariane UllrichAriane Ullrich ist diplomierte Verhaltensbiologin und betreibt den Verlag MenschHund! Sie bietet Problemberatung für Hundehalter an und ist Referentin für Hundehalter und (angehende) Hundetrainer. Als Pflegestelle und Trainerin hat Sie intensiv mit Jagdhunden, jagenden Hunden und impulsiven Hunden zu tun und hat sich auf diese Themen spezialisiert.

Ariane Ullrich ist Mitglied und Referentin im Berufsverband der HundeerzieherInnen und VerhaltensberaterInnen e.V. und unterliegt dessen Satzung zur gewaltfreien Hundeausbildung. Das Arbeitsbuch von Ariane Ullrich zum Thema „Impulskontrolle“ ist im MenschHund Verlag erschienen.



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2 Comments, RSS

  • Nina Griepentrog

    says on:
    15. März 2017 at 13:19

    Hallo liebes Candog Team,

    gibt es zu dem Thema Impulskontrolle auch ein Seminar? Ich wäre sehr interessiert, da mein Hund ein aufgeregter Kandidat ist. Durch regelmäßige Pausen ist es schon etwas besser geworden, aber es ist noch deutlich Luft nach oben.

    Viele Grüße,
    Nina Griepentrog

    • Vivien

      says on:
      16. März 2017 at 09:49

      Liebe Nina, Impulskontrolle ist ein spannendes Thema und wir arbeiten gerade an einem neuen Seminar dazu.
      Wann es statt findet kann ich nur leider noch nicht sagen.
      Liebe Grüße
      Vivien vom CANDOG Team

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